Kleine Anfrage: Beschäftigung im Öffentlichen Dienst

Galt ein Job im Öffentlichen Dienst vor Jahren mal als sicher bis zur Rente, ist jetzt dieser Sektor vor allem durch zwei Merkmale geprägt: Überalterung und Befristung. Fast die Hälfte der zurzeit im Öffentlichen Dienst Beschäftigten erreicht in den kommenden zehn Jahren das Rentenalter. Dennoch erfolgt mehr als die Hälfte der Neueinstellungen nur befristet, und nur jede/r vierte befristet Beschäftigte wird in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Das zeigen die Ergebnisse einer Kleinen Anfrage (PDF) von Susanne Ferschl.

Zusammenfassung:

2017 arbeiteten in Deutschland im Öffentlichen Dienst (ÖD) 4,5 Millionen Beschäftigte. Während in den letzten zehn Jahren Teilzeit (+9,5 Prozent) und Beschäftigung von Frauen (+12,5 Prozent) zugenommen hat, stagniert Vollzeit (+2 Prozent) und die Beschäftigung von Männern ist rückläufig (-4 Prozent).

Von den 4,5 Millionen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst sind 1,3 Millionen Beschäftigte älter als 55 Jahre und über eine halbe Million Beschäftigte älter als 60. Trotzdem erfolgt mehr als die Hälfte der Neueinstellung im ÖD befristet (61 Prozent), in der Privatwirtschaft sind es 40 Prozent. Insgesamt ist jede/r zehnte Beschäftigte im ÖD ist befristet (9,5 Prozent), in der Privatwirtschaft sind es 6,4 Prozent. Im ÖD sind 2,2 Prozent ohne und 3,5 Prozent mit Sachgrund befristet. In der Privatwirtschaft dreht sich dieses Verhältnis: Hier sind 4,4 Prozent ohne und 2 Prozent mit Sachgrund befristet.

Während im ÖD jede/r vierte befristet Beschäftigte in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen wird (25 Prozent), ist es in der Privatwirtschaft knapp jede/r Zweite (46 Prozent).

Susanne Ferschl, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Gute Arbeit, kommentiert: 

„Die sachgrundlose Befristung gehört abgeschafft – in der Privatwirtschaft und im Öffentlichen Dienst. Die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis gleicht einem Lotteriespiel. Es ist ein Skandal, dass die Union das Verbot der sachgrundlosen Befristung noch immer blockiert. Wenn es um Ordnung und Sicherheit geht, spielt sie sich gerne auf – von ordentlichen und sicheren Arbeitsverhältnissen für die Menschen will sie aber nichts wissen. 

Befristungen bedeuten Unsicherheit, materiellen Mangel und ständig die eigene Verwundbarkeit im Beruf wie im Privatleben vor Augen zu haben. Wir brauchen eine Politik, in der Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen zentrale Ausgangspunkte für gute Arbeit und ein gutes Leben sind. Es ist höchste Zeit, Befristungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren und die sachgrundlose Befristung ganz zu verbieten. Bei öffentlicher Finanzierung darf die Befristung der Haushaltsmittel kein Grund mehr für die Befristung von Arbeitsverträgen sein.“

Hier können Sie die Auswertung der Ergebnisse der Kleinen Anfrage im Einzelnen als PDF herunterladen.