Arbeitsvolumen: Mehr Teilzeit, weniger Vollzeit

Zusammenfassung:

Das Arbeitsvolumen hat im Jahr 2018 zum ersten Mal wieder das Niveau von 1991 erreicht. Dabei gab es eine deutliche Umverteilung weg von Vollzeitbeschäftigung hin zu Teilzeitbeschäftigung. Auch wenn in den vergangenen fünf Jahren das Vollzeitarbeitsvolumen wieder leicht angestiegen ist, sind die Zuwachsraten bei der Teilzeitbeschäftigung deutlich höher (siehe Grafik unten).

Das Arbeitsvolumen der beschäftigten Arbeitnehmer in Milliarden Stunden ist von 1991 bis 2018 um 1,8 Prozent von 52,1 auf 53 Milliarden Stunden angestiegen.

Während das Arbeitsvolumen von Vollzeitbeschäftigten in diesem Zeitraum um 14,3 Prozent gesunken ist, ist das Arbeitsvolumen der Teilzeitbeschäftigten um 170 Prozent angewachsen. Der Anteil der Vollzeit am gesamten Arbeitsvolumen ist von 91,7 auf 77,9 Prozent gesunken, der Anteil der Teilzeit entsprechend von 8,3 auf 22,1 Prozent gestiegen. In Vollzeitäquivalenten (Arbeitsvolumen umgerechnet in Vollzeitstellen) gab es beim Arbeitsvolumen lediglich einen Zuwachs um 0,38 Prozent (Anstieg von 31,6 auf 31,7 Millionen).

Zudem gab es deutliche Veränderungen beim Arbeitsvolumen in einzelnen Wirtschaftszweigen. Während im verarbeitenden Gewerbe (minus 26 Prozent) und im Baugewerbe (minus 17 Prozent) die Stunden deutlich zurückgegangen sind, sind sie im Dienstleistungsbereich gestiegen. Von 1991 bis 2018 hat das Arbeitsvolumen im verarbeitenden Gewerbe von 15,2 Milliarden Stunden auf 11,2 Milliarden abgenommen. Der Anteil am Gesamtarbeitsvolumen ist von 25,2 Prozent auf 18,4 Prozent gesunken und das verarbeitende Gewerbe ist nicht mehr der Wirtschaftszweig mit dem höchsten Anteil, sondern wurde vom Wirtschaftszweig  „Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit“ (plus 22,6 Prozent) mit nunmehr 24,2 Prozent des gesamten Volumens abgelöst. Das Arbeitsvolumen der Unternehmensdienstleister ist um 125 Prozent angestiegen, das Arbeitsvolumen der sonstigen Dienstleister um 13,5 Prozent.

Für den Vergleich zwischen Ost und West liegen lediglich Zahlen von 2000 bis 2017 vor. In Westdeutschland ist das Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen insgesamt in diesem Zeitraum um 6,3 Prozent auf 46,1 Milliarden Stunden angestiegen, in Ostdeutschland dagegen um 5,1 Prozent auf 11,2 Milliarden Stunden gesunken.

Arbeiten im Nebenjob hat deutlich zugenommen. Das Arbeitsvolumen beschäftigter Arbeitnehmer in Nebenjobs hat sich von 1991 bis 2018 auf 727 Millionen Stunden mehr als verdoppelt. Allein von 2017 bis 2018 lag der Anstieg bei 5,8 Prozent. Hier ist also eine klare Dynamik zu erkennen.

Susanne Ferschl, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktion DIE LINKE, kommentiert:

„Der viel gepriesene Zuwachs der Beschäftigtenzahlen ist vor allen Dingen auf eine Umverteilung von Vollzeit zu Teilzeit zurückzuführen. Oft erfolgt Teilzeitarbeit aber unfreiwillig und ist nicht existenzsichernd. Die Gefahr von Altersarmut ist groß. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, muss es ein Recht auf eine arbeitsvertragliche Mindeststundenzahl von 22 Stunden pro Woche geben, wovon nach unten nur auf Wunsch der Beschäftigten abgewichen werden kann.“

Hier können Sie die Auswertung der Ergebnisse im Einzelnen als PDF herunterladen.