Zusammenfassung:

Auch wenn prekäre Beschäftigung in Deutschland den letzten 10 Jahren auf dem Rückzug ist und sich die
Mindestlohnerhöhungen positiv auswirken, ist gerade in den letzten beiden Krisenjahren wieder ein
Anstieg der geringfügig Beschäftigten zu verzeichnen. So liegt die Anzahl der geringfügig Beschäftigten
mit 7,86 Millionen im Jahr 2023 um 237.600 Personen höher als Vorjahr 2022 und ist nun wieder auf einem
vergleichbaren Niveau wie im Jahr 2018. Weiterhin arbeiten Frauen öfters ausschließlich geringfügig als
Männer. Im Jahr 2023 waren 8,9% der Männer (gerundet 1,8 Millionen Personen) und 14,1% der Frauen
(gerundet 2,6 Millionen Personen) ausschließlich geringfügig beschäftigt.
Hierbei gibt es in den einzelnen Branchen erhebliche Unterschiede, gerade im Gastgewerbe verbleiben fast
zwei von drei der atypischen Beschäftigungsverhältnisse weiterhin im Niedriglohnsektor. Im Gastgewerbe
arbeiten von 1,1 Millionen der Beschäftigten fast zwei Drittel (65,8%) für unter 14 Euro Stundenlohn und
somit im Armutsbereich. Auch im Landwirtschaftlichen Bereich sind über die Hälfte (53,8%) der 190.000
der Beschäftigungsverhältnisse zu unter 14 Euro Stundenlohn beschäftigt. Dass ein höherer Mindestlohn
hier eine wichtige Maßnahme wäre, zeigen die Auswirkungen der letzten kräftige Mindestlohnerhöhung im
Jahr 2022, denn zwischen der Erhöhung im April 2022 (Mindestlohn stand bei 9,82 Euro) und April 2023
(12,00 Euro) gab es einen besonders starken Rückgang der Niedriglohnquote unter atypisch Beschäftigten
– in Ostdeutschland gab beispielsweise es einen Rückgang um 7% von 43,5% im April 2022 auf 36,5% im
April 2023.
Mit Bezug auf Teilzeitentwicklungen am Arbeitsmarkt federn die ausländischen Beschäftigten nicht nur
stark den demografischen Wandel ab, sondern auch den Trend der Beschäftigten mit deutschem Pass in die
Teilzeit zu gehen (Deutsche haben ausländische Beschäftigte in den letzten 10 Jahren überholt und sind nun
um 3,2% häufiger teilzeitbeschäftigt). Problematisch bleibt im Bereich der Mitbestimmung, dass die
Bundesregierung keinerlei Statistik betreffend die Durchsetzung und Anwendung der Gesetze zur
Unternehmensmitbestimmung in Deutschland führt z.B. bzgl. der Unternehmensumwandlungen in die
Rechtsform SE (Societas Europaea). Rückschritte oder Fortschritte beim Schutz der
Unternehmensmitbestimmung können somit nicht überprüft werden.
In der Leiharbeit ist in der Statistik für 2023 ersichtlich, dass diese Form der Beschäftigung eben nicht nur
ein Instrument für Ungelernte in den Berufseinstieg ist, denn von den Leiharbeitnehmenden verfügten nur
235.000 über keinen anerkannten Berufsabschluss, 375.000 besaßen einen Berufsabschluss und 83.000
hatten sogar einen akademischen Berufsabschluss. Weit über die Hälfte der Leiharbeitnehmenden arbeiten
also unterhalb ihres Qualifikationsniveaus. Durchschnittlich verdienen Leiharbeitnehmende noch immer
38,2% weniger als ihre sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in der Kerngruppe, das entspricht
1392eu weniger (in Werbung und Marketing sind es sogar über 50%, denn -2.233 Euro entspricht -51,7%
weniger).

Ergebnisse im Einzelnen: