Niedriglöhnen in der Altenpflege den Kampf ansagen

Seit Jahren arbeitet ein großer Teil der in Vollzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigten Altenpflegekräfte im Niedriglohnbereich. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die Susanne Ferschl ausgewertet hat. 

Insgesamt:

  • seit Jahren arbeitet ein großer Teil der in Vollzeit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Altenpflegekräfte im Niedriglohnbereich[1]
  • die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten im Altenpflegebereich ist in den vergangenen Jahren anteilig gesunken (von 37,2 % 2012 auf 30,1 % 2018), in absoluten Zahlen aber stagniert die Zahl um 60.000  
  • 2018 arbeiteten 60.352 Pflegende im Niedriglohnbereich (< 2.203 Euro/ Monat); das ist jede/r Dritte (30,1%); zum Vergleich: bundesweit ist es jede/r Fünfte (19,3%)
  • der mittlere Bruttomonatsverdienst in der Altenpflege lag 2018 bei 2.645 Euro

nach Qualifikationsniveau:

  • bei den Altenpflegehelfern arbeiteten 2018 insgesamt zwei Drittel im Niedriglohnbereich     (< 2.203 Euro/ Monat) (60,3 %)
  • auch hier ist der Anteil der Pflegehelfer im Niedriglohnbereich ist in den vergangenen Jahren gesunken (63,5 % 2012, 62,8% 2017), die absolute Zahl an niedriglohnbeschäftigten Pflegehelfern aber gestiegen (35.706 in 2012 & 40.259 in 2017 auf 42.700 in 2018)
  • der mittlere Monatsbruttolohn von Altenpflegehelfern lag 2018 bei 2.041 Euro
  • bei den Altenpflegefachkräften arbeiteten 2018 immerhin 14,1 % im Niedriglohnbereich      (< 2.203 Euro/ Monat)
  • der Anteil der Fachkräfte im Niedriglohnbereich ist seit 2012 gesunken (- 10%-Punkte von 24,2% in 2012 auf 14,1% in 2018), ebenso gesunken sind die absoluten Zahlen von niedrig-lohnbeschäftigten Altenpflegefachkräften (23.688 in 2012 auf 17.028 in 2018); von 2012 bis 2015 blieb allerdings die absolute Zahl weitgehend konstant bei um die 23.000; seit 2016 nimmt die Zahl der niedriglohnbeschäftigten Fachkräfte rasch ab)
  • der mittlere Bruttomonatsverdienst von Altenpflegefachkräften lag 2018 bei 2.877 Euro/ Monat

(Quelle: Sonderauswertung der BA)

Leiharbeit in der Gesundheits- und Pflegebranche

  • 2018 waren 20.410 Leiharbeitsbeschäftigte in medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen tätig (1,9%); die Gesundheitsbranche verzeichnet damit den höchsten Anstieg von Leiharbeitsbeschäftigten (KA 19/11884; S. 47: Tab. 6c) 
  • der mittlere Bruttomonatsverdienst von Leiharbeitsbeschäftigten in dieser Branche lag mit 3.164 Euro über dem mittleren Bruttomonatsverdienst von festangestellten Beschäftigten der Branche, die2018 im Mittel nur 3.006 Euro verdienen

(Quelle: KA 19/11884: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/127/1912700.pdf)

Susanne Ferschl, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, kommentiert:

„Jahrelang wurden Niedriglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen in der Pflege stillschweigend hingenommen. Hier ist der Fachkräftemangel ein hausgemachtes Problem – mit der absurden Folge, dass eine prekäre Beschäftigungsform wie die Leiharbeit inzwischen eine lukrative Alternative zum normalen Arbeitsverhältnis geworden. Die Patienten und die Beschäftigten müssen im Mittelpunkt stehen und nicht die Renditeerwartungen privater Unternehmen. Es sollen endlich Tariflöhne bezahlt werden. Diese dürfen aber nicht allein von den Pflegebedürftigen finanziert werden. Dafür braucht es ein solides Finanzierungskonzept, wie es DIE LINKE vorgelegt hat.

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[1] Für die Auswertung der Niedriglohnquote berücksichtigt die Beschäftigungsstatistik der BA nur die Kern-gruppe der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Altenpflegekräfte in Vollzeit. Der große Teil der sozial-versicherungspflichtig Teilzeitbeschäftigten in der Altenpflege wird in der Statistik nicht erfasst. Ebenso außen vor bleiben Minijobbende, Auszubildende und Praktikanten.